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24.06.2019

Vom Papierhaus bis zum Museum - Das breite Spektrum des Shigeru Ban

Der japanische Architekt Shigeru Ban bewegt sich in zwei sehr unterschiedlichen Welten. Bekannt wurde Ban durch seine einfachen Unterkünfte für Flüchtlinge in fast allen Krisenregionen der Welt. Gleichzeitig entwarf er monumentale Gebäude für Shiseido und Swatch sowie das Aspen Art Museum und das Centre Pompidou in Metz. Ban verwertet in unkonventioneller Weise Bambus, Papier oder Kunststoff und kombiniert diese mit außergewöhnlichem Design. Seine Projekte zeichnen sich durch eine experimentelle Herangehensweise aus, egal, ob es sich um Notunterkünfte oder einen neuen Wohnturm in New York handelt, jedes Design von Ban ist das Ergebnis von Forschung, Prototyping und Tests. Er ist für die Wirtschaftlichkeit und Genialität seiner Werke bekannt, weniger für die Form seiner Gebäude.

Für Ban ist weniger die Natur der Grund für eine Katastrophe, sondern der Mensch selbst. Ban teilt seine Zeit zwischen lukrativen Projekten und Freiwilligenarbeit in Krisengebieten auf – also für diejenigen, die Macht und Geld haben, und für andere, für die Architektur eine Überlebensform darstellt. Seine Notunterkünfte wirken temporär. Hiermit erfüllt Ban in den Flüchtlingsregionen eine wichtige Anforderung der örtlichen Behörden, denn diese versuchen, dauerhafte Unterkünfte auf ihrem Gebiet zu vermeiden. In Wirklichkeit sind Bans Konstruktionen jedoch derart beliebt, dass sie auch Jahre nach den Erdbeben weiterhin existieren, wie die beiden aus Pappe und Papier errichteten Kirchen in Taomi, Taiwan und Christchurch, Neuseeland.

Mit seiner humanitären Arbeit konnte Ban auch Materialien und Konstruktionssysteme testen, die außerhalb von Katastrophengebieten nicht zugelassen sind. Die Erfahrungen, die Ban mit ungewöhnlichen Baumaterialien bei seinen Flüchtlingsunterkünften sammelte, konnte er im Jahr 2000 beim Japan-Pavillon auf der Hannover Expo umsetzen, auf der "Umwelt" das zentrale Thema war. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Architekten und Ingenieur Frei Otto konstruierte er die fast vollständig recyclebare Ausstellungshalle aus Papierrohren, Holzleitern und mit Sand gefüllten Stahlfundamenten.
Das bekannteste Gebäude von Ban ist das Centre Pompidou in Metz, das im Mai 2010 von Präsident Nicolas Sarkozy eröffnet wurde. Inspiriert durch das luftige Bambusgewebe eines chinesischen Hutes, schuf Ban eine komplizierte sechseckige Holzrasterhülle und deckte diese mit Membranen ab. In den ersten vier Jahren hat das Museum 2,2 Millionen Besucher angezogen, womit sich das Gebäude bereits im ersten Jahr fast bezahlt gemacht hat.
Das Centre Pompidou hat eine ingenieurstechnisch hochkomplexe Konstruktion, bei der Ban das nachwachsende Material Holz verwendete. In seinen Projekten gebraucht er Produkte und Materialien, die mit der Umwelt in Einklang stehen, wobei er nach Möglichkeit erneuerbare und lokal produzierte Materialien verwendet. Ein weiteres Beispiel nachhaltiger Architektur ist das Tamedia-Bürogebäude in Zürich. Das siebenstöckige Hauptquartier des Schweizer Medienunternehmens hat Ban komplett in Holz entworfen. Die ineinandergreifenden Holzbalken kommen ohne Verbindungselemente und Leim aus.
Auch für das Konzerthaus “Seine Musicale” in Paris-Boulogne hat Ban eine komplexe Konstruktion entworfen. Diese besteht aus über 3 000 Teilen aus Fichtenholz mit 2 800 unterschiedlichen Kreuzungspunkten. Außerhalb des Gebäudes befindet sich ein 45 m hohes Metallsegel, das mit 800 m² Photovoltaikzellen bestückt ist. Das Sonnensegel folgt dem Lauf der Sonne: es fährt auf einer 100 Meter langen Schiene und produziert dabei Strom und schützt gleichzeitig die Glasfassade vor direkter Sonneinstrahlung, was im Sommer den thermischen Komfort im Gebäudeinnern erhöht und den Kühlbedarf verringert.

Am 28. Oktober 2019 hält Shigeru Ban die Keynote auf der Conference on Advanced Building Skins in Bern. Das vollständige Konferenzprogramm sowie Informationen zur Registrierung finden Interessierte im Internet unter www.abs.green.



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