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12.09.2017

Pilze als Dämmmaterial nutzen

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Prototyp einer Dämmplatte aus Myzelien. Abb.: Fraunhofer UMSICHT/Julia Krayer
Je nach Verarbeitung eignen sich Myzelien als Dämmmaterial oder Baustoff und bieten somit eine nachhaltige Alternative zu Styropor oder Sperrholz. Fraunhofer UMSICHT Mitarbeiterin Julia Krayer will pilzbasierte Materialien auf dem Markt etablieren.
Pilze bestehen aus einem feinen Geflecht fadenförmiger Zellen und wachsen unterirdisch im Boden. Die Tatsache, dass sich dieses sogenannte Myzel je nach Verarbeitung ebenso als Werk- oder Baustoff eignet, nutzt Julia Krayer schon länger für ihre Arbeit. Die Biodesignerin arbeitet bei Fraunhofer UMSICHT in der Abteilung für Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement und in der DEZENTRALE Dortmund, einer offenen Werkstatt des Instituts für gemeinschaftliche Projekte zu Zukunftsfragen im urbanen Raum.

Krayer forscht an pilzbasierten Materialien und entwickelt Verfahren, mit denen sich diese zu Werkstoffen weiterverarbeiten lassen. Im Rahmen der Materialentwicklung werden Pilzwurzeln zunächst mit einem Nährboden aus biologischem Abfall wie Kaffeesatz, Stroh und Buchenspänen vermischt. Das, nach zwei bis drei Wochen, zerbröselte Pilzmaterial lässt sich in jede beliebige Form pressen, in der es zunächst verhärtet und im Ofen getrocknet wird, bevor es weiterverarbeitet werden kann. Wird das pilzbasierte Material zusätzlich gepresst, erreicht es einen ähnlichen Härtegrad wie Sperrholz und lässt sich auch für den Bau stabiler Möbel verwenden. Aus ihm lassen sich in einem weiteren Schritt Produkte für die Innenarchitektur herstellen, zum Beispiel Schallabsorber. Derzeit bestehen Akustikelemente im Innenarchitekturbereich, mit denen sich Wände oder einzelne Raumelemente verkleiden lassen, fast alle aus Kunststoffschäumen wie beispielsweise Styropor. Mit den pilzbasierten Materialien will die Biodesignerin eine nachhaltige und kostengünstige Alternative zu herkömmlichen Produkten im Werk- und Baustoffbereich auf den Markt bringen. Denn für das von ihr entwickelte Verfahren werden als Ausgangsstoffe lediglich Abfälle aus der Lebensmittelproduktion genutzt.

Mit dem Pilzmaterial-Projekt hat ein Team um Julia Krayer bereits den Wissensdreieck-Wettbewerb des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) gewonnen und so Zugang zu den Fdays (FraunhoferDays) erhalten. Das Programm hilft jungen Forschern, ein Geschäftsmodell für ihr Konzept zu erstellen, mögliche Hürden im Vorfeld zu erkennen und alternative Strategien zu entwickeln. Mit dem Gewinn verbunden ist außerdem ein Preisgeld, das Krayer und ihre drei Mitstreiterinnen nun in eine erste Produktentwicklung investieren - sei es für den Bau von Prototypen, die Anschaffung benötigter Gerätschaften oder die Durchführung von Testphasen.
Im Fokus der Forschung steht derzeit die Frage, unter welchen Bedingungen das Material am besten wächst, beispielsweise in Hinblick auf die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit.

www.umsicht.fraunhofer.de



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