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27.10.2008

Salzlagerhalle in Heilbronn

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Eine von allen Seiten weithin sichtbare Investition ist die neue Salzlagerhalle 3 auf dem Werksgelände in Heilbronn in unmittelbarer Nähe zur Bundesautobahn A6.
In einer ARGE mit der Wolff & Müller GmbH & Co. KG wurde das knapp 3 Mio. € Projekt in 6 Monaten Bauzeit von der Paul Stephan GmbH & Co. KG errichtet. Das von den Gaildorfer Ingenieuren entwickelte Montagekonzept der Dachkonstruktion hatte bei der Auftragsvergabe den entscheidenden Ausschlag gegeben.
Die neue Salzlagerhalle zeigt bei rechteckigem Grundriss Abmessungen von ungefähr 49 m Breite x 118 m Länge und überspannt somit stützenfrei eine Grundfläche von ca. 5.800 m², bei Höhen von 4,20 m an der Traufe bzw. 30 m am First und einer Dachneigung von 46,5 Grad.
Die Konstruktion besteht aus Holz auf einem massiven Unterbau. Umlaufende Schüttwände aus Stahlbeton mit einer Höhe von ca. 4,00 m dienen als fertige Außenwand an den Längsseiten und bilden mit den Pfeilvorlagen im Bereich der Binderauflager das Tragwerk für die Dachkonstruktion aus Brettschichtholz.
Die klassische Dreigelenkrahmenkonstruktion mit einer Spannweite von 48 m und einer Höhe von 25 m besteht aus zwei BS-Holz Fischbauchträgern, die im First gelenkig gestoßen sind und an der Traufe auf Stahlbetonstützen aufliegen. Der Binderabstand untereinander in Längsrichtung beträgt 6 m. Das Tragwerk ist nach der Industriebau-Richtlinie der Feuerwiderstandsklasse F30 zugeordnet.

Die Koppelpfettenlage aus Nadelschnittholz, ohne besondere Anforderungen hinsichtlich der Feuerwiderstandsdauer, wurde abgestuft entsprechend der Windbeanspruchung mit Abständen zwischen 1,45 m bis 0,92 m aufgebracht. Die Aussteifung in Dachebene erfolgt über Holzstrebenverbände. Wegen des aggressiven Lagergutes Streusalz sind sämtliche Verbindungsmittel und verschweißten Stahlteile in Edelstahl ausgeführt.

Jeweils 3 Fischbauchträger und die dazugehörigen Koppelpfetten sowie Verbandsdiagonalen wurden auf der Bodenplatte der Halle in Elementgrößen von 20 m x 35 m vormontiert. Mit Hilfe von Montagetraversen wurden jeweils 2 gegenüberliegende Dachteile über eine Gelenkkonstruktion am Auflager drehend von 2 Autokranen in die endgültige Lage gezogen. Somit konnten innerhalb einer Stunde rund 1.400 m² Dachfläche in die endgültige Position mit einer Firsthöhe von 30 m gebracht werden. Oder anders ausgedrückt: Innerhalb von 2 Tagen wurde die Tragkonstruktion der rund 8.500 m² großen Dachfläche montiert.

Die Dacheindeckung sowie die Verkleidung der Giebelwände erfolgten mittels verschiedenfarbigen Wellplatten aus Hart-PVC, so genannten Ondex-Platten, welche nachträglich auf das fertige Holz-Tragwerk aufgebracht wurden.

Unter dem First ist über die gesamte Hallenlänge eine durchgehende Unterkonstruktion für ein Förderband zur Befüllung der Halle sowie zwei Stege zur Wartung des Förderbandes abgehängt. Begehbare Bandbrücken stellen die Verbindung der neuen Salzlagerhalle zu den beiden angrenzenden Lagerhallen her. Über diese Bandbrücken wird der Rohstoff bis auf Firsthöhe transportiert und mit den Förderbändern dann in Längsrichtung verteilt.

Etwa 75.000 – 80.000 Tonnen Auftausalz können auf diesem Wege der Salzlagerhalle 3 zugeführt und in Schüttlagerung aufbewahrt werden. Die Entspeicherung der Halle und der Abtransport des Salzes erfolgt dann auf Erdgeschossniveau über Rad- bzw. Schaufellader und Lastkraftwagen.

Mit der Gebäudeform wurde dem natürlichen Schüttwinkel der Salzhalde gefolgt, so dass die Halle im Bedarfsfall über die vorhandenen Förderbänder im First bis zur Unterkante des Daches befüllt werden könnte. Die neu geschaffene Lagerkapazität bietet zusätzlichen Raum, um bei einem gleichmäßigen Produktionsablauf auf Nachfrageschwankungen flexibel und wirtschaftlich reagieren zu können. LKW-Standzeiten verkürzen sich und Kunden können schneller und bedarfsorientierter beliefert werden.

Entwurf / Architektur:
Südwestdeutsche Salzwerke AG, Technische Planung

Tragwerksplanung / Werkstattplanung:
Ingenieurbüro Adolf Koch, Obersulm – Affaltrach

Ausführung:
ARGE Wolff & Müller / Paul Stephan

www.stephan-holz.de



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